Warum werden Risiken bei Projekten oft ignoriert?

Am 11. März 2011 erschütterten ein Erdbeben und ein Tsunami Japan. Im AKW Fukushima Daiichi ereignete sich darauf eine dreifache Kernschmelze. Mehr als sechs Jahre nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima stehen erstmals frühere Top-Manager des Atomkraftwerkbetreibers Tepco vor einem Strafgericht. Sie werden beschuldigt die Gefahr eines gewaltigen Tsunami missachtet zu haben und damit Schuld an dem Super-Gau vom März 2011 zu sein.

Fukushima ist natürlich kein Einzelfall, wenn es um das Missachten von Risiken geht. Das gleiche gilt für Risiken bei Projekten. Warum werden diese oft ignoriert, obwohl aufmerksame Projektmitarbeiter schon lange davor gewarnt hatten?

Interne Warnungen wurden ignoriert

„Es war unmöglich, den Unfall vorherzusehen“, behaupteten die Atommanager vor Gericht. „Mit einem Tsunami dieser Stärke habe man nicht rechnen können“. Dabei mussten sie die Gutachten gekannt haben, die die japanische Atomindustrie vor eben solchen Erdbeben und Killer-Tsunamis warnten.

Katsuhiko Ishibashi von der Universität Kobe hat den Verlauf der derzeitigen Nuklearkatastrophe von Fukushima vorausgesagt. „Ein Erdbeben und seine Folgen, also ein Tsunami, könnte mehrere Teile eines AKW ausschalten. Das würde dazu führen, dass man den Reaktor nicht mehr kühlen kann. Die Brennstäbe beginnen zu schmelzen. Es könnte zur Kernschmelze oder sogar zu einer nuklearen Explosion kommen. Auch Wasserstoffexplosionen wären möglich“, warnte der Professor im Februar 2005 eine Parlamentskommission. Außerdem könnte die Hilfe für die Erdbebenopfer wegen radioaktiver Verseuchung behindert werden. Genau das ist in Fukushima passiert!

Es handele sich um ein „Desaster von Menschenhand“. Verantwortlich dafür sei das Beziehungsgeflecht zwischen Staat und Atomlobby. Erst kürzlich hatte ein Gericht eine Mitschuld des Staates festgestellt. Der Staat und Tepco hätten sich der Nachlässigkeit schuldig gemacht. Tepco hätte zu Schutzvorkehrungen vor Tsunamis verpflichtet werden müssen, hieß es.

Die frühen Warner werden selten ernst genommen

Nicht selten werden frühe Warner schlechtgemacht, ausgespottet und als verrückt erklärt. So etwas wird doch nie geschehen, absolut  unmöglich! Und wenn diese Verneiner/Ablehner dann plötzlich doch aufwachen und realisieren, dass es doch kein Schwachsinn war und es wirklich passiert, dann geraten Sie in Panik. Wir Menschen sind leider so verdrahtet, dass wir potentielle Probleme gern ignorieren und verleugnen, bis wir mit ihnen direkt konfrontiert sind. Nur dann ist es meistens zu spät, um noch sinnvoll zu handeln.

Nehmen Sie die Warner wahr

Bei Ihrem Projekt mögen die potentiellen Schäden nicht so groß sein, wie beim Atomkraftwerk Fukshima, aber Sie sollten die Warner trotzdem wahrnehmen, die vor unglaublichen, fast unmöglichen, potentiellen Projektproblemen warnen. Auslachen oder diese als Spinner anschauen ist sicher die falsche Strategie. Nehmen Sie diese Risiken in Ihre Risikoanalyse auf und diskutieren Sie diese, solange sie nicht zu utopisch sind. Risiken wie z.B. “ein Hinkelstein könnte uns auf den Kopf fallen” können Sie getrost weglassen, denn das verstehen eh nur Asterix Leser!

Schon das Diskutieren über solche Risiken sensibilisiert die Teilnehmer und gibt auch oft wieder Assoziation oder einen Anstoß weiter zu denken, um neue oder ähnliche, oder „realistischere“ Risiken zu finden.

Warum werden gewisse Risiken nicht akzeptiert oder ignoriert?

Wurde Ihnen bei der Risikoidentifikation auch schon folgendes gesagt:

  • „Dieses Risiko ist so unmöglich, vergiss es schnell wieder!“
  • „Wenn wir dieses Risiko notieren, dann erhalten wir Probleme mit unserem Management.“
  • „Mit diesem Risiko auf unserer Liste machen wir uns lächerlich.“
  • „Wenn wir dieses Risiko auf die Liste tun, dann können wir unser Projekt schnell streichen.“

Oft werden unangenehme oder „unwahrscheinliche“ Risiken identifiziert und einfach nicht weiterverfolgt oder aus Listen gestrichen. Gründe dafür sind:

  • Politische oder persönliche Interessen
  • Druck des Managements
  • Gewinnmaximierung
  • Angst, dass das Projekt gestoppt wird
  • Weil man sich einfach nicht vorstellen kann, das so etwas passieren kann
  • Überheblichkeit (uns passiert doch so etwas nicht!)

Dies war bei Fukushima so, beim Absturz der Raumfähre Challenger, bei der Explosion der Deepwater Horizon – oder wer weiß, vielleicht auch bei der der Dieselaffäre bei VW?

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Was haben Sie für Erfahrungen mit unwahrscheinlichen oder nicht akzeptierten Risiken gemacht? Wie gehen Sie im Risikomanagement damit um. Ich freue mich über Ihren Kommentar.

Nachtrag: Ein paar Tage nachdem ich diesen Beitrage publizierte, erscheint in der „Süddeutsche Zeitung“ vom 27.7.2017  folgender Bericht: Audi fürchtete schon 2013, aufzufliegen. Audi-Techniker haben bereits im Oktober 2013 auf die Abgasmanipulation in den USA hingewiesen. Das zeigt ein internes Dokument. Sie warnen darin vor den Folgen eines Auffliegens und empfehlen sogar, die Manipulations-Software zeitnah umzustellen. Doch das geschah nicht …..

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