25 Jahre Scrum – Was hat sich verändert?

25-Jahre-ScrumHätten Sie es geahnt, dass es Scrum schon 25 Jahre gibt? Wahrscheinlich nicht. Scrum hat das Vorgehen in der Software­entwicklung stark verändert und dem agilen Projekt­management einen großen Auftrieb gegeben. Seit einiger Zeit gibt es auch skalierbare agile Frameworks, die es einfacher machen, Scrum und agiles Projekt­management in großen Projekten anzuwenden. Mehr über das silberne Jubiläum von Scrum, was Scrum geleistet hat und wie es das traditionelle Projekt­management beeinflusst, lesen Sie in diesem Artikel.

Im Januar 2019 feierte Scrum gemäss Jeff Sutherland sein silbernes Jubiläum und wurde 25 Jahre alt.  Jeff Sutherland entwickelte Scrum zusammen mit seinem Entwicklungsteam in der Easel Corporation Anfang der 1990er Jahre. Er führte 1994 in der Easel Corporation mit einem Entwicklung den ersten Sprint durch. Zusammen mit Ken Schwaber formalisierte er 1994 das Scrum-Framework, welches Schwaber auf der OOPSLA 1995 zum ersten Mal öffentlich vorstellte. Rückblickend zum ersten Sprint sagte Jeff Sutherland:

They weren’t trying to change the world, or inspire a movement. They were just trying to work in a better way.

Jeff und Ken, ich gratuliere euch zu diesem Erfolg!

In den letzten 25 Jahren ist Scrum von einem Team auf Hunderttausende Teams in der ganzen Welt angewachsen und hat nicht nur Scrum, sondern dem agilen Projektmanagement einen riesen Schub und Publizität verleiht. Alles will heutzutage agil sein – nicht nur bei Projekten!

Die Bezeichnung „agil“ für diese Art der Softwareentwicklung wurde im Februar 2001 bei einem Treffen in Utah gewählt, als Ersatz für das bis dahin gebräuchliche leichtgewichtig (engl. lightweight). Bei diesem Treffen wurde auch das Agile Manifest formuliert.

Die erste Version des „Scrum Guide – The Definitive Guide to Scrum: The Rules of the Game“ veröffentlichten Schwaber und Sutherland im Jahr 2010 als offizieller “Body of Knowledge of Scrum”. Durch „Inspection and Adaption“ gab es Updates in den Jahren 2011, 2013, 2016 und im November 2017.

Die Grundlagen von Scrum sind aber schon älter

Ich will die Leistung von Jeff Sutherland und Ken Schwaber nicht schmälern; Scrum, bzw. die Grundlagen von Scrum sind jedoch nicht erst 25 Jahre alt, sondern 33 Jahre. Im Januar 1986 publizierten Hirotaka Takeuchi and Ikujiro Nonaka im Harvard Business Review den Artikel „The New New Product Development Game„, von dem sich Jeff Sutherland massgeblich beeinflussen liess. Dort wurden die wesentlichen Grundlagen von Scrum bereits beschrieben und es wurde auch erstmals der Begriff Scrum für eine solche Art von Entwicklungsmethode genannt.

Scrum@ScaleTM

In den letzten Jahren sind auch einige agile Frameworks für agile Großprojekte entstanden wie:

  • SAFe®(Scaled Agile Framework)
  • ScALed(Scaled Agile Lean Development)
  • LeSS(Large Scale Scrum)

Jeff Sutherland von Scrum Inc. und andere Vertreter des agilen Manifests haben lange gegen diese Frameworks gewettert und diese schlecht gemacht. Jeff hat sich aber selber seit vielen Jahren mit skalierten Scrum-Anwendungen beschäftigt und solche in verschiedenen Unternehmen implementiert. Auch er hat schlussendlich erkannt, dass es einen Bedarf gab für Empfehlungen, wie Scrum einfach skaliert werden kann. Im Februar 2018 hat er deshalb den Scrum@Scale GuideTM veröffentlicht, als skalierbares Referenzmodell von Scrum.

Was hat uns Scrum gebracht?

Ich arbeite erst seit einigen Jahren in agilen Projekten und mit Scrum. Mehr als 25 Jahre habe ich als Ingenieur in der Industrie Projekte nach dem sequentiellen Wasserfall-Modell geleitet, Projektportfolios gemanagt und war Projektcontroller. Ich kann deshalb eine gute Außensicht zu Scrum und agilen Projekten liefern.

Jeff Sutherland und Ken Schwaber sind aus meiner Sicht das, was Steve Jobs für Apple war. Sie haben nichts Neues erfunden, sondern bereits bestehende, erfolgreiche Konzepte übernommen, gut kombiniert, verbesssert und ein gutes Marketing gemacht. Folgende langjährig bewährte Management-Methoden lieferten ihren Beitrag zu Scrum:

  • Toyota Production System, Lean Management, Lean Production
  • Selbstorganisierende Teams (Self-Directed Workteams)
  • Softwareentwicklungsmodelle (Spiralmodel, XP, usw.)
  • Total Quality Management
  • Und natürlich der HBR-Artikel „The New New Product Development Game“

Interessant ist, dass diese Management-Methoden alle ihre Wurzeln in der Japanischen Industrie haben.

Woher kam der Kulturwandel?

Agiles Projektmanagement und speziell Scrum haben unbestritten eine neue Kultur in die Softwareentwicklung gebracht und diese stark beschleunigt, businessorientierter und schlanker gemacht. Was sind die Kernelemente dieses Wandels?

  • Agilität in der Entwicklung (sich schnell Anpassen an Veränderungen)
  • Die Agilen Werte und Prinzipien
  • Die Scrum-Werte
  • Selbstorganisierende und interdisziplinäre Teams
  • Die Qualität des Produktes
  • Der Mensch, die Zusammenarbeit und das Wissen stehen im Zentrum
  • Kontinuierliche Verbesserung und stetiges Lernen
  • Zeitdruck durch Sprints

Scrum hat viele (fast vergessene) Management-Prinzipien wiederentdeckt und mit verschiedenen Methoden zu einem wirkungsvollen Framework kombiniert. Softwareentwicklung wurde viel schneller, liefert bessere Qualität und schneller Kundennutzen. Die Arbeitskultur und -Werte, aber auch die Rollen im Projektteam haben sich stark verändert.

Wie geht es weiter?

Die Vision von Jeff Sutherland

Was mich an Jeff Sutherland stört, dass er bei jeder Gelegenheit das traditionelle Wasserfall-Modell (sequentielle Projektvorgehen) schlecht macht und Scrum als den „heiligen Gral“ für alle Projekte anpreist: Im Scrum Guide 2017 und auch in seinem Buch „Scrum: The Art of Doing Twice the Work in Half the Time„ steht, dass Scrum heute in den verschiedensten Bereichen verwendet wird und nicht nur in der Software-Entwicklung sondern auch in der Entwicklung von Hardware, eingebetteter Software, Netzwerken mit interagierenden Funktionen, autonomen Fahrzeugen, Schulen, Behörden, Marketing, Management von Organisationen und fast allem, was wir in unserem täglichen Leben als Einzelpersonen und Gesellschaften verwenden.

Scrum für alle Projekte?

Scrum und agiles Projektmanagement sind aus meiner Sicht nicht für alle Projektarten und Abläufe in unseren Organisationen geeignet. Bauen Sie einen Flugzeugträger oder ein Haus strikt nach dem Scrum Guide. Unmöglich!
Es gibt jedoch einige Elemente von Scrum und dem agilen Projektmanagement die  traditionellen Projekten einigen Schub verleihen könnten, Lieferzeiten verkürzen und die Qualität verbessern könnten wie z.B.:

  • Selbstorganisierende Teams mit agilen Werten
  • Daily Stand-up Meetings: Periodisch, kurze, strukturierte Meetings
  • Kürzere Projektphasen
  • Mehr Fokus auf den Business Value und den Kunden
  • „Definition of Ready“ und „Definition of Done“, für Arbeitspakete
  • Retrospektiven nach jeder Projektphase
  • Reviews bei jedem Arbeitspaketabschluss
  • Weniger Verschwendung durch nicht wertschöpfende Aktivitäten (Muda)
  • Weniger und kürzere Meetings und dafür strukturierter

Scrum und agiles Projektmanagement wird das traditionelle Projektmanagement in den nächsten Jahren stark beeinflussen, aber nicht verdrängen. Die Entwicklung von Scrum war ein Meilenstein im Projektmanagement und ich frage mich: Was wird als Nächstes kommen?

Was haben Sie für Erfahrungen mit Scrum und agilen Projekten gemacht? Stimmen Sie mit meinen Aussagen überein oder haben Sie eine andere Ansicht oder Ergänzungen? Teilen Sie Ihre Erfahrung mit mir und den Lesern unten in der Kommentarbox. Danke!

Wollen Sie mehr erfahren, wie Sie Ihre agilen Projekte und Scrum noch erfolgreicher machen? Mein BuchScrum – Agiles Projektmanagement und Scrum erfolgreich anwenden“ bringt Sie einen wichtigen Schritt weiter!

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