Earned Value Management ist mehr als Earned Value Analyse

Im Projektmanagement gibt es verschiedene Projektcontrolling-Methoden und Earned Value Management (EVM) ist die leistungsfähigste. Sie wird im deutschen Sprachgebrauch sehr oft unkorrekt „Earned Value Analyse” genannt. EVM besteht jedoch aus mehr als nur ein paar Kennzahlen und der Bereich „Analyse” ist nur ein Teilbereich von Earned Value Management. In diesem Artikel lernen Sie was Earned Value Management genau ist und welche Fragen Earned Value Management während der Projektdauer beantworten kann – und ich erkläre Ihnen natürlich auch noch was die zentrale Kennzahl, der „Earned Value“ bedeutet.

EVM ist mehr als nur ein paar Kennzahlen

Earned Value Management (EVM) wird im deutschen Sprachgebrauch oft als „Earned Value Analyse“ bezeichnet. So ist es auch im deutschen Wikipedia Artikel zu lesen. Dies ist jedoch nicht korrekt. „Analyse” ist nur ein kleiner Teilbereich von Earned Value Management.

Earned Value Management ist mehr als nur ein paar Kennzahlen und deren Analyse. Es ist eine strukturierte Projektmanagement-Methode, die folgende vier Hauptaufgaben hat:

  1. Definiert die Basis für die Leistungsmessung (Performance Measurement Baseline)
  2. Misst, analysiert und stellt die Leistung des Projektes dar
  3. Zeigt Plan- und Budgetabweichungen während der Projekt­dauer
  4. Macht Vorhersagen über das Projekt-Enddatum und die Projektendkosten

Um diese vier Hauptaufgaben auszuführen, bietet Earned Value Management einheitliche, numerische Kennzahlen, um Projekte zu beurteilen, zu vergleichen und Prognosen zu erstellen.

Die fundamentalen Prinzipien von Earned Value Management sind:

  • Alle Arbeit ist bis zum Projektende geplant.
  • Die Arbeit ist heruntergebrochen in Arbeitspakete, welche einer verantwortlichen Personengruppe oder Organisation übertragen wird.
  • Die Projektumfang-, Termin- und Kostenziele sind in einem Plan integriert, mit welchem der Fortschritt gemessen werden kann.
  • Alle IST-Kosten werden aufgezeichnet.
  • Projektabweichungen werden analysiert, Auswirkungen prognostiziert und die Projektdauer und Projektendkosten anhand der aktuellen Projektleistung geschätzt.
  • Änderungen an der Basisplanung werden controllt.
  • Earned Value Management Informationen fließen in den Managementprozess der Organisation ein.

Earned Value Management Definitionen

Die verschiedenen Earned Value Management Bezeichnungen führen nicht selten zur Verwirrung. Oft wird Earned Value Analysis mit Earned Value Management gleichgesetzt, was nicht korrekt ist. Da „Analysis“ nur einen kleinen Teil dieser Management-Methode beschreibt. Oder man spricht von Earned Value Management und meint damit den Earned Value mit ein paar Kennzahlen wie CPI und SPI. Auch dies ist nicht ganz korrekt, denn Earned Value Management umfasst einiges mehr.
    Die drei verschiedenen Earned Value Definitionen, die verwendet werden, haben alle Ihre eigene Bedeutung. Die folgende Abbildung zeigt die Hierarchie der Begriffe.

EVMS-Definition
Die Hierarchie der EVM-Begriffe

Earned Value Management System (EVMS)

Ein Earned Value Management System ist eine Anzahl von integrierten Prozessen, welche die definierten Normen und Kriterien implementiert. Die Norm EIA-748 (Earned Value Management Systems) definiert dafür entsprechenden Richtlinien. In seiner einfachsten Form kann EVMS ohne Software implementiert werden. Software ist lediglich ein Mittel zum Zweck und erhöht die Produktivität, erlaubt eine wirtschaftlichere Implementierung von EVM und erleichtert das Managen von komplexen Projekten. EVMS ist keine Software.

Earned Value Management (EVM)

Earned Value Management ist ein Program Management Werkzeug, das Projektumfang, Termine und Kostenparameter integriert. Dies erlaubt eine umfassende Projektüberwachung mit verschiedenen Kennzahlen sowie Prognosen über die Projektendkosten und den Projekttermin.

Earned Value (EV)

Der Earned Value ist der budgetierte Wert der aktuell vollendeten Arbeit. Wird der EV mit der geplanten Arbeit und den aktuellen Kosten verglichen, so können die Leistung und der Fortschritt des Projektes bestimmt werden.

Die Earned Value Management Kennzahlen

Wenn von Earned Value Management gesprochen wird, meint man oft nur den Earned Value (EV), Planned Value (PV), Actual Cost (AC) und ein paar weitere Kennzahlen – dies weil man sich meistens nicht tiefer mit dem Thema beschäftigt hat. Weiter gefasst geht EVM weit über die Kennzahlen hinaus bis zur Projektmanagementkultur im Unternehmen: Will man überhaupt die Transparenz die Earned Value Management bietet haben, bzw. hat man überhaupt die Maturität im Projektmanagement EVM anzuwenden?

Was ist der Kern von EVM? Der Kern von EVM ist der Earned Value selber. Ohne den Earned Value zu bestimmen, können Sie EVM mit all seinen Kennzahlen nicht verwenden. Die Kennzahlen, die sich nachher aus dem EV, AC und PV berechnen sind dann wichtig, um den Zustand des Projektes/Teilprojektes oder Arbeitspakete zu bestimmen.

Der EIA-748 EVMS Standard

Dass sich Earned Value Management nicht nur mit Analyse beschäftigt, sieht man auch an den Anforderungen an ein Earned Value Management System, die im EIA-748 Standard in den folgenden fünf Kapiteln beschrieben sind:

  1. Organization
  2. Planning, Scheduling and Budgeting
  3. Accounting Considerations
  4. EVMS Analysis and EVMS Management Reports
  5. Revisions and Data Maintenance

Im Kapitel 4 des EIA-748 EVMS Standard werden Regeln bezüglich der Datenanalyse und Management beschrieben. Kernaussage dieses Kapitels ist:

  • Compare Planned Budget with Earned Budget for work accomplished
  • Compare Budget Earned and the Actual direct Cost for the same work
  • Identify significant differences between both planned and actual cost performance and provide the reasons for the variances in detail needed by program management

Mehr über die EIA-748 erfahren Sie in diesem Artikel: Die EIA-748 und die 32 EVMS-Kriterien

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