Die EIA-748 und die 32 EVMS-Kriterien

EIA-748-and-32-EVMS-KriterienWenn Sie Earned Value Management anwenden wollen oder müssen, dann werden Sie sehr oft mit dem Standard EIA-748 konfrontiert. Diesen gibt es schon seit 1998. Der Standard hat aber eine jahrzehnte lange Vorgeschichte. Kürzlich hat auch die ISO erstmals ihren eigenen EMV-Standard veröffentlicht, die ISO 21508. Wie die EIA-748 entstanden ist und was diese umfasst, aber auch was es sonst noch für wichtige Standards gibt, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Das DoD definierte die Anforderungen an ein Earned Value Management System

Bis zum Jahre 1997 bestimmte das DoD die Anforderungen an ein Earned Value Management System (EVMS). Wer aus der privaten Industrie einen grossen Auftrag des DoD erhalten wollte, musste ein EVMS anwenden, dass diesen Anforderungen genügte. Die Anforderungen waren als 35 Kriterien definiert (thirty-five Cost/Schedule Control Systems Criteria (C/SCSC)).

Im Jahre 1995 machte sich ein Komitee der National Defense Industrial Association (NDIA) an die Arbeit, die 35 Kriterien zu überarbeiten. Das Resultat war eine sogenannte „Industrie-Version“, die „Earned Value Management Systems (EVMS) Criteria“ genannt wurde, welche 1998 als ANSI Norm ANSI/EIA-748 veröffentlicht und von der Electronic Industries Alliance (EIA), einem ANSI-Partner, genehmigt wurde. Diese Norm wurde dann auch vom DoD übernommen.

Im März 2013 wurde der ANSI/EIA-748-B EVMS Standard durch EIA-748-C abgelöst. Es wurden nur kleine Ergänzungen und Konkretisierungen vorgenommen. An den 32 Kriterien wurde hingegen nichts Wesentliches verändert. Im Januar 2019 wurde von der Society of Automotive Engineers (SAE) / Electronics Industry Alliance (EIA) die EIA-748-D veröffentlicht, die ebenfalls nur Konkretisierungen und kleine Ergänzungen erhielt, aber die 32 Kriterien nicht veränderte. Dieser Beitrag von Humphreys Associates gibt eine gute Übersicht über die in die EIA748-D eingeflossenen Änderungen.

Der Standard EIA-748

Bei  Projekten der amerikanischen Regierung wird ab einer bestimmten Größe die Anwendung von Earned Value Management von Auftragnehmern gefordert  Dies fordern entweder die Weisung FAR 52.234-4 oder für DoD Aufträge die DFARS 252.234-7002 .

Der Standard EIA-748 (Standard for Earned Value Management Systems) umfasst alle Anforderungen an ein Earned Value Management System. Das Problem ist jedoch, dass die 32 darin enthaltenen EVMS-Kriterien absichtlich sehr allgemein gehalten wurden. So haben die Unternehmen, welche den Standard dann anwenden, die Flexibilität das Managementsystem gemäß ihrem Managementstil und ihrer Unternehmensumgebung einzuführen und anzuwenden. Die Norm enthält neben den 32 EVMS-Kriterien eine Übersicht über die wichtigsten EVM-Begriffe sowie Prozessbeschreibungen zur WBS-Erstellung, Budgetplanung, Ablauf- und Ressourcenplanung, Bestimmung des Earned Values, Leistungsmessung usw.

Die 32 EVMS-Kriterien sind in folgende fünf Gruppen aufgeteilt:

  • Organization (of the project): 5 Kriterien
  • Planning, Scheduling, & Budgeting: 10 Kriterien
  • Accounting Considerations: 6 Kriterien
  • Analysis and Management Reports: 6 Kriterien
  • Revisions and Data Maintenance: 5 Kriterien

Hier sehen Sie eine Gesamtübersicht über die 32 Kriterien:

Die 32-EVMS-Criteria-EIA-748

Die die EVMS 32 Kriterien sind in 5 Gruppen aufgeteilt

Der NDIA Intend Guide

Die NDIA Integrated Program Management Division (IPMD) ist Autor und verantwortlich für die EIA-748. Wie ANSI oder ISO-Normen auch muss diese Norm für gutes Geld bei der Society of Automotive Engineers (SAE) International gekauft werden.

Als gute Ergänzung zur EIA-748 hat die NDIA den kostenlosen „Intent Guide“ erstellt. Dieser „Intent Guide“ gibt einen zusätzlichen Einblick in jedes der 32 EVMS-Kriterien und beschreibt detailliert, was die Absicht (Intent) und der Management Value der einzelnen Kriterien ist. Der sehr hilfreiche Guide kann als PDF hier heruntergeladen werden (Version EIA-748-D, August 2018).

NDIA-EIA-748-D-Intend-Guide

Wenn Sie als Auftragnehmer „gezwungen“ werden die EIA-748 anzuwenden, aber auch wenn Sie sich tiefer mit dem Thema beschäftigen wollen, dann sollten Sie sich die Norm und den „Intent Guide“ besorgen. Die Dokumente geben auch gute Ideen zur Einführung von EVM in Ihrem Unternehmen.

Bei den „Additonal References“ des Intent-Guides finden Sie weitere hilfreiche Ressourcen:

– NDIA IPMD EVMS Intent Guide
– NDIA IPMD IBR Guide
– NDIA IPMD Surveillance Guide
– NDIA IPMD EVMS Acceptance Guide
– NDIA IPMD EVMS Application Guide
– NDIA IPMD Planning and Scheduling Excellence Guide (PASEG)
– NDIA IPMD Industry Practice Guide for Agile on Earned Value Management Programs (New)
– NDIA IPMD Master Definitions List for IPMD Guides (New)
– NDIA IPMD Earned Value Management System Guideline Scalability Guide (New)

Diese Guides finden Sie bei NDIA unter Division Guides and Resources. Ich kann speziell den „Planning and Scheduling Excellence Guide (PASEG)“ sehr empfehlen.

ISO Standard für Earned Value Management

Ganz neu ist auch der erste ISO Standard für Earned Value Management. Dieser wurde im April 2018 zum ersten Mal veröffentlicht: ISO 21508:2018, Earned value management in project and programme management. Der ISO Standard beschreibt 11 Prozessschritte zur Einführung von EVM und ergänzt ISO 21500 und ISO 21503.

PMI –The Standard for Earned Value Management

Auch ANSI ist durch das PMI daran „The Standard for Earned Value Management – Second Edition“ aus dem Jahre 2011 zu überarbeiten. Im April 2019 wurde der Exposure Draft veröffentlicht.

Wenn Sie sich tiefer mit Earned Value Management beschäftigen wollen, dann empfehle ich Ihnen mein Buch „Earned Value Management: So machen Sie Ihr Projektcontrolling noch effektiver“. Es ist das umfassendste und meistverkaufte Buch in deutschen Sprachraum über Earned Value Management.

Haben Sie Fragen zu Earned Value Management so kontaktieren Sie mich einfach.

 

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