Was ist ein Minimum Marketable Product in der agilen Produktentwicklung?

Minimum Marketable Product MMP in der agilen Produktentwicklung

Wenn Sie ein neues Produkt entwickeln und auf den Markt bringen wollen, dann müssten Sie in die Zukunft schauen können und antizipieren, was in einigen Monaten im Trend ist und die Kunden heissbegierig kaufen werden. Aber die wenigsten von uns können in die Zukunft schauen oder langwierige Markt- und Kundenanalysen machen. In diesem Kontext wird in der agilen Produktentwicklung das Minimum Viable Product (MVP) und das Minimum Marketable Product (MMP) angewendet. Lesen Sie weiter und erfahren Sie, was das MVP und MMP ist und wie diese angewendet werden, damit Ihre Produktentwicklung noch erfolgreicher wird.

Was ist ein Minimum Viable Product?

Bevor ich auf das Minimum Marketable Product eingehe, zeige ich Ihnen noch ganz kurz was das Minimum Viable Product ist. Wenn Sie dann mehr über das Minimum Viable Product erfahren möchten, ich habe in diesem Artikel ausführlich beschrieben, was ein MVP ist.

Der Begriff Minimum Viable Product (MVP) wurde 2001 von Frank Robinson definiert und dann von Eric Ries durch sein Buch The Lean Startup populär gemacht.

Hier ist die ursprüngliche Definition von Eric Ries:

“A Minimum Viable Product (MVP) is a version of a new product which allows a team to collect the maximum amount of validated learning about customers with the least effort.”

Das heisst ein Minimum Viable Product ist die erste Version eines Produktes, die genügend Merkmale von ausreichender Qualität enthält, um eine erste Gruppe von Kunden anzusprechen und, was entscheidend ist, wertvolle Rückmeldungen und Informationen darüber liefert, wie Kunden dieses Produkt nutzen und schätzen.

Wie es die Definition von Ries deutlich macht, handelt es sich beim MVP nicht um ein Produkt mit der geringstmöglichen Funktionalität, für das eine Markteinführung vorgesehen ist. Vielmehr ist das MVP ein Schlüsselelement, wenn es drum geht mit wissenschaftlichen Methoden neue Produkte herzustellen und zu testen. Er ist ein Mechanismus für validiertes Lernen, der dazu dient, Hypothesen zu testen und herauszufinden, was den Bedürfnissen der Kunden entspricht.

Die folgende Abbildung zeigt den Zyklus des validierten Lernens von Eric Ries.

Der Build-Measure-Learn-Feedback Loop nach Lean Startup
Der Feedback-Loop von Lean Startup von Eric Ries

Was ist ein Minimal Marketable Product

Ein Minimum Marketable Product (MMP) könnte der nächste logische Schritt nach dem MVP im Produktentwicklungsprozess sein. Während sich ein MVP auf die Validierung von Annahmen und das Kennenlernen der Benutzerpräferenzen konzentriert, umfasst ein MMP einen Satz von Kernfunktionen, welcher die Kunden-/Benutzerbedürfnisse adressieren, die gewünschte Benutzererfahrung schaffen und so früh einen quantifizierbaren Wert für das Unternehmen schafft. Ein MMP kann mit seiner “Must-have”-Funktionalität auf den Markt gebracht werden, die dann skaliert und weiterentwickelt werden kann, um dann später die “Nice-to-have”-Funktionalität einzubauen. Das MMP ist in erster Linie ein Werkzeug, um die Time-to-Market zu verkürzen, und es kann somit schneller auf den Markt gebracht werden als ein “fettes”, funktionsreiches Produkt.

Ein Produkt mit genau der richtigen Anzahl von Funktionen erstellen

Ein Produkt mit genau der richtigen Anzahl von Funktionen zu erstellen, klingt nach gesundem Menschenverstand. Warum sollten Sie mehr Funktionen als nötig entwickeln? In vielen Projekten werden over-engineerte Produkte mit vielen netten Funktionen entwickelt, die den Anwendern wenig Nutzen bringen, aber das Produkt unübersichtlich machen und die Wartungskosten erhöhen. Es ist verlockend, einem Produkt einfach eine weitere coole Funktion hinzuzufügen. Wenn Sie mit dem Konzept eines MMP arbeiten, dann hilft dies Ihnen, sich auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist, und unnötige Funktionen zu entfernen.

Ein Beispiel, das oft für ein MMP genannt wird, ist das erste iPhone, das 2007 veröffentlicht wurde. Der Erfolg lag darin, dass Apple das gesamte Produkt auf eine ausgewählte Gruppe von Kundenbedürfnissen reduzierte. Es war interessant, wie viele Funktionen das Telefon im Vergleich zu seinen Konkurrenten nicht enthielt. Apple vermied den Fehler, es allen auf einmal recht machen zu wollen, und nutzte stattdessen das MMP als ein Produkt, auf dem man im Laufe der Zeit aufbauen und die Fähigkeiten des Telefons erweitern konnte.

Die Schritte zu einem Minimal Marketable Product

Der entscheidende Punkt für ein erfolgreiches MMP ist, “das Produkt für die Wenigen zu entwickeln, nicht für die Vielen”, wie Steve Blank es ausdrückt, und sich auf die Funktionen zu konzentrieren, die für die Benutzer einen echten Unterschied machen. Um die richtigen Features für das MMP zu entdecken, ist das MVP ein fantastisches Werkzeug.

Sie müssen das Nutzenversprechen (Value Proposition) Ihres Produkts gründlich verstehen und nur die Funktionen auswählen, die unbedingt notwendig sind, um die Bedürfnisse der Zielgruppe zu erfüllen. Haben Sie den Mut und die Disziplin, alle anderen Funktionen erst einmal zu verwerfen. Die Auswahl des minimalen Funktionsumfangs bedeutet nicht, ein langweiliges oder vereinfachtes Produkt zu erstellen. Es bedeutet, sich auf die Eigenschaften zu konzentrieren, die für den Produkterfolg wesentlich sind. Fragen Sie sich bei jeder Epic oder User Story, ob das Produkt auch ohne diese ausgeliefert werden kann. Wenn ja, schließen Sie die Story aus. Wie der französische Schriftsteller und Dichter Antoine de Saint-Exupery es ausdrückte:

Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern wenn es nichts mehr wegzunehmen gibt.”

Die Anwendung dieses Ansatzes ist sowohl für das Unternehmen als auch für die Entwicklungsteams eine Win-Win-Situation. Für das Unternehmen bedeutet es, dass Sie ein Produkt erstellen, das auf validiertem Wissen basiert, was das Risiko eines Fehlschlags deutlich reduziert. Für die Entwicklungsteams bedeutet es, dass sie keine Zeit mit der Entwicklung von Funktionen verschwenden, die für ein Produkt irrelevant oder sogar nachteilig sind.

Der Weg vom MVP zum MMP

Oft ist es ein guter bzw. logischer Ansatz, die beiden Konzepte zu kombinieren, ein oder mehrere MVPs zu entwickeln, um Ihre Ideen zu testen und so die relevanten Nutzer- und Marktkenntnisse zu erwerben. Dann nutzen Sie Ihre neuen Erkenntnisse, um das MMP zu erstellen und auf den Markt zu bringen – ein Produkt mit genau den richtigen Funktionen und einem großartigen Benutzererlebnis, wie das folgende Bild zeigt:

Vom Minimum Viable Product (MVP) zum Minimum Marketable Product (MPP) in der agilen Produktentwicklung
Vom Minimum Viable Product (MVP) zum Minimum Marketable Product (MPP) in der agilen Produktentwicklung

Beachten Sie, dass sich ein Minimal Marketable Product von einem Viable Product unterscheidet: Es ist vollständig genug, um für einen Release, bzw. einen Launch bereit zu sein, wie Sie an der Geschenkverpackung im Bild oben sehen können. Beim MMP sind jedoch noch ein paar weitere Aktivitäten zu erledigen. Zum Beispiel müssen für ein MMP Aktivitäten zur Vorbereitung der Markteinführung stattfinden, Werbekampagnen erstellt werden oder für einige Produkte eine Zertifizierung erlangt werden. Kehren wir zu Ihren MVPs zurück. Dies sind wahrscheinlich Wegwerf-Prototypen, die nur dazu dienten, das notwendige Wissen zu erwerben; einzelne sind vielleicht wiederverwendbare Produktinkremente, die sich zu einem marktfähigen Produkt entwickeln.

Produktentwicklung im agilen Umfeld ist eine spannende Aufgabe und hier sind das MVP und MMP, aber auch der Lean Startup Cycle äusserst hilfreiche Methoden.

Hier gibt es noch mehr Wissen

Dies war eine Übersicht, was ein Minimum Marketable Product (MPP) ist, wie es entsteht und richtig angewendet wird? Was sind Ihre Erfahrungen mit MPPs?  Stimmen Sie mit meinen Aussagen überein oder haben Sie eine andere Ansicht oder Ergänzungen? Teilen Sie Ihre Erfahrung den Lesern unten im Kommentarfeld mit, damit wir alle eine weitere Sicht kennenlernen. Danke!

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Eric Ries: The Lean Startup: How Today’s Entrepreneurs Use Continuous Innovation to Create Radically Successful Businesses

Eric Ries: The Startup Way: How Entrepreneurial Management Transforms Culture and Drives Growth

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