Parkinson’s Law und warum der Gotthard Basistunnel 1 Jahr früher fertig wurde

Rund um die Welt sind die grossen Infrastrukturprojekte notorisch in Verzug oder werden gar nicht fertiggestellt. Der Gotthard Basis Tunnel (GBT)  hingegen ging am 1. Juni 2016 ein Jahr früher in Betrieb als geplant – wie war das möglich?

Während der 17 Jahre dauernden Bauzeit des Gotthard  Basis-Tunnel gab es einen Zeitabschnitt, wo das Parkinson’s Law unbewusst auch ein wichtiges Thema wurde. Hier ging es jedoch um die Kürzung der Projektdauer um 1 Jahr, das heisst das Parkinson Law mit negativem Vorzeichen.

Gotthard Tunnel Das längeste Weltwunder

Die AlpTransit Gotthard AG (ATG), die den Tunnel baute, hat 2010 bei einer Abstimmung und Bereinigung der Bau- und Montageprogramme für den Gotthard Basis-Tunnel (GBT) die Möglichkeit erkannt, den Tunnel ein Jahr früher als geplant in Betrieb zu nehmen. Grundsätzlich war das natürlich eine sehr gute Nachricht. Für die Schweizerischen Bundesbahnen SBB als Auftraggeber bedeutete das jedoch eine grosse Herausforderung. Sie hatten deswegen nur noch fünf statt sechs Jahre Zeit, um Ihre Aufgaben zu bewältigen. De facto waren die gesamten Zeitreserven weg.

Was würden Sie als Projektleiter in einen solchen Fall machen?

Projektdauer 1 Jahr verkürzt

In einem Interview mit dem Gesamt-Projektleiter des Gotthard Basis-Tunnels, Peter Jedelhauser, sagte dieser auf die Frage eines Journalisten: Waren Sie wütend als das die Zeitreserven weg waren?

Peter Jedelhauser:“Zuerst sah ich viele Risiken und Probleme. Doch eines Tages sagte der Kollege von der ATG zu mir: «Das ist deine grosse Chance Vollgas zu geben.» Er hatte recht. Ist die Zeit knapp, diskutiert man viel weniger über unnötige Details zum falschen Zeitpunkt. Man sucht einfache, pragmatische Lösungen und zieht sie gemeinsam und fokussiert durch. So wird man auch sehr effizient.

Journalist: Man kann sich auch Ziele setzen, die zu hoch sind. Und beim GBT geht es notabene um ein 12-Milliarden-Franken-Projekt.

Peter Jedelhauser: Klar, Mut ist das eine, Leichtsinn das andere. 2011 fällten wir folgenden Entscheid: Wir setzen gemeinsam alles daran, im Dezember 2016 den fahrplanmässigen Betrieb aufzunehmen. Wir fixierten aber auch einen Point of Return, bei dem wir zwei Jahre vorher noch einmal gemeinsam über die Bücher gehen und aufgrund der Entwicklungen und Risiken definitiv entscheiden konnten, ob es wirklich Dezember 2016 sein würde. Wir waren also ehrgeizig, aber nicht unbesonnen.

Das Parkinson’s Law positiv betrachtet

Als ich den obigen Abschnitt gelesen habe, da kam mir unweigerlich das Parinson’s Law in den Sinn. Dieses lautet folgendermassen:

„Work expands so as to fill the time available for its completion.“

„Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.“

Parkinsons Law

Jeder Projekt-Manager hat sicher schon Erfahrungen mit dem Parkinsonschen Gesetz gemacht. Ein bekanntes Beispiel dafür ist: Ein Projektmitarbeiter bekommt eine Aufgabe, die im schlimmsten Fall nur ein paar Stunden dauert. Dafür wurde aber im Projektplan eine Woche Dauer zugeordnet. Wie durch ein Wunder wird die Aufgabe in der letzten Minute des letzten Tages der zugewiesenen Woche (und manchmal auch nicht) beendet.

Nur, beim Gotthard Tunnel war es genau umgekehrt. Man hatte nicht mehr als genug Zeit, sondern plötzlich weniger als geplant. Wenn die Zeit von Anfang an knapp ist und der Arbeitsumfang, das Budget und die Qualitätsansprüche gegeben sind, dann muss man automatisch effizienter werden. Dann müsste es also heissen:

Work gets more efficient so as to fill the time available for its completion.

Was lernen wir aus diesem Beispiel? Hier ein paar Punkte, die mir spontan in den Sinn kommen:

  1. Wenn eher knapp Zeit für die Erledigung der Arbeit zur Verfügung steht wird man automatisch effizienter.
  2. Man versucht eher an einer Aufgabe zu arbeiten, statt auf mehreren Baustellen gleichzeitig zu werken (schädliches Multitasking)
  3. Man vermeidet Gold Plating, das heisst Lösungen sind so gut wie nötig und nicht so gut wie möglich (ohne die Sicherheit auf’s Spiel zu setzen)
  4. Die Kommunikation wird effizienter und man verzichtet eher auf lange (unötige) Sitzungen und Diskussionen

Welche Punkte kommen Ihnen noch in den Sinn? Zu welchen Gedanken inspiriert Sie dieser Artikel? Teilen Sie doch Ihre Gedanken den anderen Lesern im Kommentarfeld mit. Danke!

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